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Als Fachlehrer unterrichte ich während einiger Lektionen in der Woche andere Klassen. Einer dieser Schüler musterte mich eines Tages intensiv und traute sich dann endlich, seine Frage zu stellen: Sind Sie eigentlich immer so gut gelaunt, wenn Sie arbeiten? Das kann doch nicht immer Spass machen, sich mit uns zu beschäftigen?

Was ich ihm genau geantwortet habe, weiss ich nicht mehr – aber es ist tatsächlich so, dass ich täglich motiviert und freudig zur Arbeit fahre! Eigentlich erstaunlich in einem Beruf, in dem uns so viele Kollegen wegen Erschöpfung ausfallen oder gar nach wenigen Jahren den Beruf verlassen. Nein, nur daran, dass es Spass machen könnte, sich tagtäglich mit hormonübersättigten Pubertierenden zu beschäftigen, kann es nicht liegen. Ok, ich erkenne eine Begabung in meiner Tätigkeit – das macht Freude. Welche Gründe gibt es denn sonst noch?

Eine mögliche Antwort wurde mir einige Tage später klar, als mich ein ehemaliger Schüler besuchte und der Klasse und mir von seinem Arbeitsalltag als Koch berichtete. Eine seiner Aussagen beschäftige mich danach sehr: "In meinem Beruf herrscht ein sehr rauer Umgang untereinander, es wird viel geflucht und negativ geredet. Wenn ich nach Hause gehe, muss ich jeweils versuchen einen Schalter zu kippen, damit ich wieder jemand anders sein kann. Es tönt für euch vielleicht so, als hätte ich zwei verschiedene Persönlichkeiten!"

Was für ein unsäglicher Stress! Ich bin dankbar, muss ich diesen Persönlichkeitswechsel vor und nach der Arbeit jeweils nicht durchführen! Auch wenn die Gefahr dafür in jedem Beruf vorhanden ist. Wie oft wäre es kurzfristig einfacher, eine Rolle zu spielen. Aber zu welchem Preis? Ich weiss, dies würde mich viel zu viel Kraft kosten und mir letztlich die Freude an meinem Beruf rauben! Es ist meine bewusste, tägliche Entscheidung, dass ich mich meinem Umfeld gegenüber nicht verstellen will. Nein, ich will mich selber sein und will meine Umgebung durch meine Fähigkeiten aber auch durch meine Einzigartigkeit prägen. Dies versuche ich auch meinen Schützlingen bezüglich Berufswahl mitzugeben. Was machst du gerne? In welchem Bereich brennt dein Feuer? Bist du dir bewusst, was du für geniale Fähigkeiten bekommen hast? Wie gehst du mit Ungerechtigkeit in deinem Umfeld um? Wie kannst du dich an deinem Arbeitsplatz verhalten, damit du dich selber bleibst?

Wie beantwortest du diese Fragen?

Claude Büchli ist Sekundarlehrer aus Leidenschaft. Er liebt es, Jugendliche zu unterrichten, durch die Pubertät zu begleiten und zu motivieren ihr Potential zu entdecken. Er ist seit 25 Jahren glücklich verheiratet und lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Gränichen.