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Zerrissene Bücher, ungelöste Seiten und Blätter die aus dem Fenster fliegen…  Trotz all meinen Weiterbildungen und den Büchern, die ich zu herausforderndem Verhalten gelesen habe, fehlte mir das Rezept, dieses Kind für die Schule zu motivieren. Und doch war es meine Aufgabe als Heilpädagogin, eine Lösung hervorzuzaubern. Was sollte ich also tun?

Die oben beschriebene Situation geschah nicht zum ersten Mal. Immer wieder gab es solche Momente, in welchen dieses Kind den ganzen Unterricht auf den Kopf stellte. Deshalb habe ich auch Einzelunterricht, der mir die Möglichkeit gibt, mit diesem Kind ein sinnvolles Verhalten zu trainieren. In diesen Unterrichtssequenzen haben wir schon viele Herausforderungen gemeinsam gemeistert und gute Lösungen gefunden. Doch in diesem Fall kamen wir einfach nicht weiter.

"Ich muss nicht überall gut sein. Genügend ist auch gut."

"Ich kann alles, was für mich wichtig ist."

Mit diesen Aussagen zerknüllte das Kind unsere Unterlagen und warf sie in den Mülleimer. Die Stunde war somit gelaufen und ich wusste, dass ich für den nächsten Tag einen neuen Zugang bereit haben musste. Doch wie dieser aussehen sollte, war für mich ein grosses Rätsel.

Auf dem Heimweg verfolgte mich plötzlich ein Gedanke: "Lass ihn seine eigene Geschichte erzählen und frage ihn, was er braucht. Ergänze dann mit meiner Vision für sein Leben." Dieser Gedanke liess mich nicht mehr los. Deshalb nahm ich am nächsten Morgen meine Krimskramskiste. Ich gab dem Kind den Auftrag, sich in der Schule darzustellen. Das Ergebnis dieser Aufgabe war eine sehr detaillierte Darstellung des Klassenzimmers. Sich selber kennzeichnete er mit seiner Lieblingsfarbe und einem traurigen Emoji.

Die Darstellung dieser Szene tat plötzlich Türen auf, zu denen ich vorher nie Zugang hatte. Das Kind konnte mir extrem differenziert erzählen, weshalb es ihm in der Schule nicht gefällt und es beschrieb mir, was es gerne machen würde. Diese Wünsche konnte ich mit Gottes Plänen für sein Leben ergänzen. Das Ganze passte wie ein Puzzle zusammen und wir mussten nur noch die nächsten Schritte festlegen.

Unsere gemeinsamen Abmachungen besprachen wir vor den Ferien mit der Lehrerin. Als ich nach den Ferien wieder Unterricht mit dem Kind hatte, fragte ich, wie es mit den Abmachungen ging. Wortlos nahm es die Hefte unter dem Pult hervor und zeigte mir, was es am Vortag im Unterricht gelöst hatte. Auch wenn zwei Wochen dazwischen lagen, hatte es die Abmachungen nicht vergessen. Was mir Gott über sein Leben offenbart hatte, war stark genug, um ein demotiviertes, herausforderndes Kind für den Unterricht zu begeistern.

Sara Denzler arbeitet als Primarlehrerin und schulische Heilpädagogin. Ihr Herz brennt dafür, Kinder zu ermutigen, zu fördern und in ihren Begabungen freizusetzen. Anfang 2015 erschien ihr erstes Kinderbuch „Das Geheimnis von Amo“.