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Als Stufenleiter wurde mir geschildert, dass an unserer Schule zwei Schülerinnen einen Mitschüler auf üble Art und Weise quälten. Nachdem ich sie ins Büro zitiert hatte, legte ich Taschentücher bereit, was beide schon mal erstaunte. Sie erwarteten nun die volle Härte des Schulgesetzes, vielleicht einen tobenden Schulleiter, Strafen, Vorladungen der Eltern.

Ich durfte sie in dieser Situation aber durch die Augen unseres Daddys sehen: zwei verletzte junge Menschen, die durch ihre Taten versuchten, ihre Wunden zu verbergen. Ich fragte sie, was denn ihr Problem sei. „Nein, nein, der andere habe das Problem, nicht sie!“ – war ihre schnippische Antwort. Ich liess nicht locker und fragte sie nochmals, was denn ihr Problem sei, dass sie einen schwächeren Mitschüler schikanierten. Die eine wurde sehr ruhig, während die andere Schülerin versuchte, mich auf Nebenschauplätze zu führen – andere hätten auch, der Junge habe provoziert, …die üblichen Ausflüchte halt.

Ich unterbrach sie und sagte: „Nein, jetzt geht’s um euch! Wir sitzen nicht hier, damit ihr eine Strafe bekommt, sondern dass wir eure Probleme angehen können – dafür müsst ihr sie aber zuerst mal erkennen. Darum: was glaubt ihr, ist euer Problem?“

Zuerst erwischte es die Ruhige mit einem Heulkrampf, kurz darauf musste auch die andere weinen. Es sprudelte nur so aus ihnen heraus, warum sie so unglücklich seien und welch kaputte Familienverhältnisse sie hätten. Danach erzählten sie mir, wie frustriert sie über ihr Leben und wie eifersüchtig sie auf den Mitschüler seien.

Sie nahmen die Taschentücher sehr gerne in Anspruch und auch die Angebote, wie und wo sie weitere Hilfe bekamen. Keine Strafe oder Androhung hätte das auslösen können, was danach geschah: Es war himmlisch zu sehen, wie sie sich aus eigener Motivation beim Opfer entschuldigt und selber Wiedergutmachung angeboten haben.

Ein Ergebnis davon, dass mir der Heilige Geist in dieser Situation genau die richtige Strategie vor Augen geführt hatte. Er hat keine Mühe mit der Frage „Wotsch Problem?“, sondern hilft sie zu lösen!

Claude Büchli ist Sekundarlehrer aus Leidenschaft. Er liebt es, Jugendliche zu unterrichten, durch die Pubertät zu begleiten und zu motivieren ihr Potential zu entdecken. Er ist seit 25 Jahren glücklich verheiratet und lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Gränichen.