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Kürzlich haben die 5. Klässler einen Stuhl mit der Aufschrift „… ist das grösste A* der Welt“, gefunden. Ich hatte dann die ehrenvolle Aufgabe, die Kinder zu konfrontieren und herauszufinden, wer der Täter oder die Täterin war. Ehrlich gesagt, nicht unbedingt meine Lieblingsaufgabe als Lehrerin.

Die Klasse, in der dies vorfiel hat einen starken Groove, bei den Mitschülerinnen und Mitschülern alle Fehler zu sehen und diese sofort lauthals kundzutun, auch wenn man dabei selber gegen die Abmachungen verstösst. Deshalb erstaunt es nicht, dass bei der Entdeckung des Stuhls die Gemüter ziemlich erhitzten, der Lärmpegel anstieg und ein Wirrwarr von Anklagen und Misstrauen entstand. Mir wurde sofort klar, dass in dieser Atmosphäre kein Konflikt gelöst werden konnte. Der Frieden war komplett verschwunden.

Als ich mir die nächsten Schritte überlegte, wurde mir bewusst, dass die Abwesenheit von Frieden auch die Abwesenheit des Heiligen Geistes bedeutete. Denn, wo der Heilige Geist ist, ist Frieden. Deshalb suchte ich ihn und lud ihn ein, diese Situation durch seinen Frieden zu verändern. Innert weniger Sekunden geschah etwas, das ich in dieser Klasse noch nie erlebt hatte. Es wurde mucksmäuschen still.

In diese Stille hinein konnte ich den Kindern erklären, dass es mir in diesem Gespräch nicht darum ging, herauszufinden, wer den Stuhl beschrieben hatte. Mein Ziel war es, dass die Schülerinnen und Schüler einander vertrauen können und gute Freundschaften entstehen. Deshalb fragte ich sie, welche Probleme durch diese Situation entstanden sind. Nach einigem Diskutieren fanden sie unter anderem heraus, dass sie sich in der Klasse nicht sicher fühlen konnten. Denn, irgendjemand war in der Klasse, der Gemeinheiten über seine Mitschülerinnen und Mitschüler verbreitete und viele hatten Angst, dass sie das nächste Opfer sein könnten.

Mit dieser Erkenntnis hatten sie nicht gerechnet. Betroffen schauten einige zu Boden, dann sie stellten fest, dass sie ebenfalls dazu beitrugen, dass man sich bei ihnen in der Klasse nicht sicher fühlen konnte. Gemeinsam entschieden sie sich, dass sie übereinander nur Gutes erzählen oder schreiben wollten, damit niemand in der Klasse Angst haben muss.

Der Erfolg dieses Gesprächs führte bei mir dazu, viel gezielter darauf zu achten, wo der Heilige Geist ist. Wenn er in der Klasse nicht spürbar ist, hole ich ihn zurück, denn ich habe die Schlüssel in der Hand, dass die Schülerinnen und Schüler in einer guten Atmosphäre lernen können.

Sara Denzler arbeitet als Primarlehrerin und schulische Heilpädagogin. Ihr Herz brennt dafür, Kinder zu ermutigen, zu fördern und in ihren Begabungen freizusetzen. Anfang 2015 erschien ihr erstes Kinderbuch „Das Geheimnis von Amo“.