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Schon länger war an meinem Auto etwas nicht mehr so richtig in Ordnung. Immer dann, wenn ich über eine Unebenheit fuhr, klapperte es auf der vorderen linken Seite.

Um ehrlich zu sein: Ich habe es lange hinausgezögert, überhaupt nachzusehen, was es genau sein könnte, denn meine Vermutung war, dass es ein Teil der Achse sein würde, das Spiel hat. Und da ich ein Auto fahre, das 36 Jahre alt ist, und das selten bis sehr selten ist, kann sich die Ersatzteilbeschaffung jeweils etwas umständlich gestalten.

Kürzlich habe ich mich dann jedoch trotzdem überwunden, die Karre einmal auf den Auto-Lift zu nehmen um zu sehen, woher das Geräusch kommt.

Ich hob also den Schlitten an und rüttelte an der Vorderachsaufhängung, bis ich den Fehler entdeckt hatte: Wie ich es erwartet hatte, war ein Gelenk defekt.

Ich wollte mich schon im Internet auf die Suche machen, um vielleicht noch irgendwo so ein Ersatzgelenk aufzuspüren, um es dann zu bestellen und anschliessend die lange Lieferfrist abzuwarten, bis es dann eintreffen würde – vorausgesetzt, ich würde noch eins finden.

Zum Spass sagte ich zu Lukas und Damiano, die gerade ihr Mittagessen draussen in der Sonne auf dem Sofa (welches sie zuvor hinaus transportierten) genossen: „Es ist das Spurstangenendstück. Vielleicht liegt ja noch so eins im Lager.“ Wir alle lachten. Doch irgendetwas sagte mir, ich solle mich dennoch kurz im Ersatzteillager umsehen.

Es ist zu erwähnen: Unser Ersatzteillager ist nicht sehr gross – es besteht hauptsächlich aus einigen Ersatz-Lämpchen, ein paar Wischerblätter, ein paar Ölfiltern und einem Sammelsurium aus alten, teilweise gebrauchten, Teilen unterschiedlicher Automarken. In einem Regal befanden sich einige Gelenke, die ähnlich aussahen, wie das, was ich für mein Auto bräuchte. Doch mein Durchwühlen war mehr von Neugier motiviert, als in der Erwartung tatsächlich etwas zu finden: Die meisten Teile waren italienischer oder deutscher Abstammung, denn der Vorgänger der Garage, der uns die Ersatzteile hinterlassen hat, reparierte hauptsächlich deutsche Autos, und sein Vorgänger wiederum italienische. Mein Auto jedoch ist ein Japaner.

Plötzlich fiel mir ein Gelenk auf, das dem meines Wagens verblüffend ähnlich sah- also kramte ich es hervor um es mit meinem zu vergleichen. Und tatsächlich: Es passte! Und es war sogar ein neuwertiges Teil! Ich konnte es kaum glauben und ich spürte plötzlich das Grinsen vom Vater – ein „kleine“ Überraschung von ihm, welche für mich ein riesiges Geschenk ist und mich ungemein an sein schenkendes und humorvolles Wesen erinnert.

Jedesmal, wenn ich jetzt über eine Bodenwelle fahre, und mein Auto diese schön ruhig passiert, erinnert mich die „Ruhe“ an die Tatsache: Unser Vater ist genial!

Manuel Blattner ist Mitgründer und Geschäftsleiter eines kleinen Betriebes, in dem Fahrzeuge repariert und Möbel aus Autoteilen designt werden. Er ist verheiratet und wohnt mit seiner Frau in einem kleinen Dorf am Rande der Stadt Aarau. Er brennt dafür dass Leute in seinem Betrieb Gott kennenlernen.