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Am liebsten würde ich einfach alles wissen und überall mit dabei sein. Meine Begeisterung steigt ins Unermessliche, wenn ich auf Geheimnisse oder Potenzial stosse und das Gefühl habe, dass ich diese lüften oder das Potenzial ausschöpfen könnte. Meine Augen glänzen schon bei der Vorstellung! Auch bei der Arbeit will ich Prozessen Zeit abgewinnen, kreative Lösungen für Probleme finden oder auch einfach Neues anreissen und möglichst sofort umsetzen.

Dies hatte zur Folge, dass meine Ist-Arbeitszeit immer einiges (und teilweise noch mehr) höher war als die Soll-Zeit. Bis plötzlich jemand hart auf die Bremse trat. Nach der Geburt unserer Tochter hatte ich meine Stellenprozente reduziert und fixe Arbeitstage vereinbart. Die unflexible Art zu arbeiten – mit der begrenzten Stundenzahl – brachte mich schnell an meine Grenzen. Ich war überfordert, weil ich nicht mehr all das umsetzen konnte, was ich eigentlich wollte, können hätte oder meiner Meinung nach sollte. Oft dachte ich, zusehen zu müssen, wie Dinge schief liefen, weil sie nicht so gemacht wurden, wie ich es mir vorgestellt hatte: „Wenn ich nicht da bin, dann …“

Schliesslich war ich dermassen frustriert, dass ich zwangsläufig wieder einmal den Heiligen-Geist-Scan mein Leben durchleuchten lassen musste. Und der entdeckte tatsächlich ziemliches Verbesserungspotenzial bei meiner Einstellung und Arbeitsweise. Ich stellte fest, wie sehr ich – natürlich unbewusst – Entscheidungen für andere getroffen hatte und Arbeiten übernommen hatte, die weder jemand von mir erwartete, noch überhaupt annähernd zu meinem Job gehört hätten.

Mit dieser Erkenntnis begann ich, neue Verantwortung zu übernehmen, indem ich nicht automatisch übernahm, was nicht lief oder wenn es irgendwo brannte. Nein, ich bin immer noch nicht der Meinung, dass man mit geschlossenen Augen an Problemen vorbeimarschieren sollte: Es gibt genügend Menschen, die ein Talent dafür besitzen, Verantwortungen für Dinge und auch für sich selber abzugeben. Aber, es gibt Dinge, die sind einfach nicht mein Problem. Durch die Reflexion zeigte mir der Heilige Geist, wie anmassend es sogar ist, die Herausforderungen anderer ungefragt zu den eigenen zu machen! Meine Verantwortung ist, auf mögliche Probleme hinzuweisen, vielleicht sogar Lösungsansätze zu liefern oder andere dabei zu unterstützen, selber zur Hochform aufzulaufen, aber das Rennen selber muss nicht immer ich übernehmen.

Ich bin noch fest am Lernen. Aber ich stelle fest, wie mit der Entspannung auch die Freude an der Arbeit zurückkommt. Vielleicht geht es dir ja auch ein bisschen wie mir und du fühlst dich manchmal fix und fertig oder machst Dinge lieber selber, dass es auch ja gut kommt. Dann ist es vielleicht ja mal wieder an der Zeit, diesen höchsteffizienten Scan auch dein Leben durchleuchten zu lassen, Verantwortung abzugeben – auch wenn das Herz bei der einen oder anderen blutet – um dann zu sagen: Das ist doch nicht mein Problem!

Tamara Hochstrasser hat Journalismus und Kommunikation studiert und ist zurzeit an einer Schweizer Fachhochschule tätig. Seit über zehn Jahren ist sie verheiratet und hat eine Tochter. Sie liebt es, sich herausfordern zu lassen, neue Lösungswege zu entwickeln und andere damit zu begeistern.