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Was wäre, wenn jeder Mitarbeiter so viel Ferien machen könnte, wie er möchte? Diese Frage hat mir vor einiger Zeit ein Freund gestellt. Im ersten Moment war ich echt perplex, konnte aber bald schon klar argumentieren, warum dies nie und nimmer funktionieren wird. Oder? Die Frage liess mich nicht mehr los.

Kurze Zeit später bin ich auf das Gleichnis mit dem Herrn gestossen, der dreien seiner Knechte sein Vermögen zur Verwaltung anvertraute – ihnen  Einfluss gab. Einfluss und Macht über einen Teil seines Vermögens. Diesen Teil sollten sie verwalten und vermehren, während er auf unbestimmte Zeit verreiste. Nach seiner Rückkehr, beurteilte er seine Mitarbeitenden und zog die Konsequenzen.

Mein Herz begann höher zu schlagen: Was wäre also, wenn wir das Gleichnis wörtlich nähmen und dasselbe mit unseren Mitarbeitenden tun würden? Ich meine weitreichender als die Anreizsysteme nicht ganz unbekannter Internetgiganten. Wenn wir ihnen viel mehr Freiheiten einräumen würden – wie halt eben so viel Ferien zu genehmigen, wie sie zu brauchen meinen, und nach einem gesetzten Zeitraum einfach den Ertrag ihrer Arbeit beurteilten?

Alle Chefs, die ich kenne, suchen motivierte Mitarbeitende, die sich mit der Firma identifizieren. Ermutigung, ehrliche Anerkennung und Einfluss motivieren. Das sagen Studien. In der Realität fehlt aber oftmals das Vertrauen zu den Mitarbeitenden. Abraham Lincoln war sich sicher: „Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, gib ihm Macht.“ Sie könnten den Einfluss missbrauchen und dem Unternehmen Schaden zufügen. Und das werden sie sicherlich auch. Zumindest einige. Diese werden bei der Leistungsbeurteilung die Konsequenzen für ihr Handeln tragen müssen. Zurückbleiben werden starke Charaktere, die begeistert sind, zu einem ehrlichen, motivierten Arbeitsklima beizutragen.

Was wäre also, wenn wir das Gleichnis wörtlich nähmen und begännen, unseren Mitarbeitenden zu vertrauen? Ihnen unkonventionell mehr Einfluss einräumen, als wir es uns zurzeit noch vorstellen können? Nach einigem Grübeln bin ich zwischenzeitlich zum Schluss gekommen: Ich glaube, dass es möglich ist, ein Klima zu gestalten, das nicht einfach gute Mitarbeitende anzieht, sondern die Besten. Dass es funktionieren kann, zeigen Beispiele wie Netflix, die bereits solche Ansätze verfolgen. Aber warum sind es nicht mehr? Und was denkst DU?

Tamara Hochstrasser hat Journalismus und Kommunikation studiert und ist zurzeit an einer Schweizer Fachhochschule tätig. Seit über zehn Jahren ist sie verheiratet und hat eine Tochter. Sie liebt es, sich herausfordern zu lassen, neue Lösungswege zu entwickeln und andere damit zu begeistern.